Urheberrecht an Kunstwerken: Worauf Sie bei der Nutzung achten müssen

Bildrechte, Bildwissen
pinkyone / shutterstock.com
Das Werk eines Künstlers muss geschützt werden, so will es das Gesetz.

Darf man ein Bild von einem Kunstwerk verwenden? Und wenn ja, unter welchen Bedingungen? Wer hat eigentlich das Urheberrecht an Kunstwerken? Oder war es nicht einmal so, dass Kunst auf öffentlichem Raum einfach fotografiert werden darf?

In Wahrheit ist das alles gar nicht so kompliziert. Wir klären alle Unklarheiten zum Thema “Urheberrecht an Kunstwerken” in diesem Artikel auf. So wissen Sie ganz genau, worauf Sie bei der Nutzung achten müssen.

Urheberrecht an Kunstwerken: Wer hat Rechte am Bild?

a) Fotograf

Urheber von einem Foto ist grundsätzlich IMMER der Fotograf, der auf den Auslöser gedrückt hat. Und zwar unabhängig davon, was auf dem Foto abgebildet ist. Sie müssen also in jedem Fall zuerst die Urheberrechte mit dem Fotografen klären, bevor Sie das Bild verwenden.

b) Künstler

Ist auf dem Foto ein Kunstwerk abgebildet, dann müssen Sie neben dem Urheberrecht auch die Künstlerrechte mit dem Künstler klären. Da auch Kunstwerke urheberrechtlich geschützt sind, darf der Künstler entscheiden, ob und wie sein Werk veröffentlicht wird. Wenn Sie also ein Foto verwenden wollen, auf dem ein Kunstwerk abgebildet ist, brauchen Sie demzufolge auch die Genehmigung des Künstlers.

c) Besitzer

Je nachdem, wo das Bild des Kunstwerks aufgenommen wurde, könnte auch das Eigentumsrecht (Hausrecht) eine Rolle spielen. Wenn es sich bei dem Kunstwerk beispielsweise um ein Gemälde handelt, welches in einem Museum hängt, so darf es dort nur mit dem Einverständnis des Museums fotografiert und veröffentlicht werden.

Hierzu das aktuellste Urteil für Werke aus dem Reiss-Engelhorn-Museum:
https://www.rechtambild.de/2018/12/bgh-lichtbildschutz-fuer-fotografien-gemeinfreier-werke/

Besonderheiten bei der Klärung des Urheberrecht an Kunstwerken

a) Schutzfristen

Das Urheberrecht verliert seine Gültigkeit, sobald ein Urheber mehr als 70 Jahre tot ist. Nach Ablauf dieser Schutzfrist sind solche Kunstwerke daher gemeinfrei. Das bedeutet aber nur, dass Sie für ein gemeinfreies Kunstwerk keine Künstlerrechte mehr mit dem Künstler klären müssen.

Wie wir oben aufgelistet haben, können auch noch Fotograf und Besitzer Urheberrecht am Kunstwerk haben. Beachten Sie also, dass Bilder von Kunstwerken nicht einfach so verwendet werden dürfen, nur weil der Künstler schon über 70 Jahre tot ist.

So können Sie also z.B. ein Gemälde des Malers Vincent van Gogh veröffentlichen, ohne die Künstlerrechte klären zu müssen. Sie müssen hier also lediglich die Herkunft des Fotos klären und die anfallenden Fotohonorare über eine Bildagentur oder an den Fotografen entrichten.

b) Kunst auf öffentlichem Raum

Wenn sich ein Kunstwerk permanent auf öffentlichem Raum befindet, so darf es unter der Panoramafreiheit ohne Genehmigung fotografiert und veröffentlicht werden. Auch in diesem Fall müssen Sie keine Künstlerrechte klären, genau wie nach Ablauf der Schutzfrist.

Aber: diese Regelung gilt nicht bei temporärer Ausstellung der Kunst auf öffentlichem Raum. Wenn das Kunstwerk nicht dauerhaft an einem öffentlichen Ort zu sehen ist, so müssen Sie Künstlerrechte klären. Die Panoramafreiheit erlaubt nur die Fotografie von permanenter Kunst in öffentlichem Raum.

Ein Beispiel für die Panoramafreiheit ist z.B. die Figur ‚Walking Man‘ des Künstlers Jonathan Borofsky in der Leopoldstrasse in München. Diese ist fest installiert und kann ohne die Klärung von Künstlerrechten veröffentlicht werden. https://www.munichre.com/de/unternehmen/corporate-art.html

Ein Beispiel für eine temporäre Ausstellung auf öffentlichem Raum sind z.B. alle Installationen des Künsterpaars Christo. Alle bei den Kunstaktionen entstandenen Fotos müssen mit Christo geklärt werden. https://christojeanneclaude.net/

Wen das Urteil dazu interessiert und es genauer wissen will:_ https://www.rechtambild.de/2000/09/bgh-verhullter-reichstag/

c) Besitzerwechsel

Im Kunsthandel kommt es vor, dass ein Kunstwerk von einem Museum in ein anderes wandert, in einer Galerie ausgestellt wird oder von einem Privatbesitzer gekauft wird. Dadurch wechselt der Eigentümer, der ja bei der Entstehung eines Fotos, auch um Erlaubnis gefragt werden muss.

Wenn der Eigentümer eines Kunstwerks wechselt, so muss das Property Release mit dem Besitzer vereinbart worden sein, auf dessen Grundstück die Fotografie nachweislich entstanden ist. Der aktuelle Besitzer ist also nicht immer der derjenige, der die Rechte vergeben kann.

Wie Sie das Urheberrecht an Kunstwerken klären können

Die erste Anlaufstelle zur Klärung von Künstlerrechten ist in Deutschland die VG Bild Kunst. Diese vertritt sehr viele Künstler aus der ganzen Welt. Wenn Sie darüber nicht weiterkommen, müssen Sie den Künstler selbst, bzw. dessen Erben kontaktieren.

Was ist die VG Bild Kunst?

Die VG Bild Kunst ist eine Verwertungsgesellschaft, die die Rechte u.a. von Kunsturhebern vertritt, die dort Mitglied sind. Mitglieder sind in erster Linie Künstler/-innen der bildenden Kunst, Fotografie, Illustration, Karikatur oder Filmschaffenden. Sie kümmert sich u.a. auch um die Lizenzierung von Nutzungsrechten als Vermittler zwischen dem Künstler und dem Nutzer. Welche Künstler von der VG Bild Kunst in Deutschland vertreten werden, können Sie auf der Website der VG Bild Kunst ganz einfach prüfen.

Was tun, wenn der Künstler nicht von der VG Bild Kunst vertreten wird?

Nicht alle Künstler werden von der VG Bild Kunst vertreten. In diesem Fall müssen Sie sich an den Künstler direkt, bzw. dessen Erben wenden, um eine Erlaubnis für die Nutzung einzuholen.

Das ist oft nicht einfach, insbesondere wenn der Künstler bereits verstorben ist. Finden Sie heraus, wer seine Angehörigen waren und in welchen Galerien oder Museen seine Kunst ausgestellt werden. Mit ein wenig Detektivarbeit ist es durchaus möglich, einen Rechtsnachfolger herauszufinden und die Nutzungsrechte zu klären.

Klärung von Künstlerrechten – Sie benötigen Hilfe? Kein Problem!

Vielleicht haben Sie aber in turbulenten Projektphasen keine Kapazitäten für aufwendige Recherchen? In dem Fall steht das kompetente Recherche-Team der VISUAL EXPERTS – INTERFOTO gerne als Unterstützung zur Verfügung. Wir sind regelmäßig in Kontakt mit vielen Künstlern und einem großen Netzwerk in der ganzen Welt – so nehmen wir bestimmt die richtige Spur auf.

Schicken Sie uns gern Ihre unverbindliche Projektanfrage.

Vorheriger Beitrag
Way down Exhibition Road
Nächster Beitrag
Daily Work: Bildredaktion

18 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Wie es wenn ich ein Bild von einem Künstler kaufen möchte, wie ändert sich der Eigentum?

    Antworten
    • Marion Niklasson
      29. Mai 2020 9:57

      Hallo Anne,
      die Rechte bleiben beim Künstler. Wenn der nicht will, dass Du das Bild verkaufst oder ausstellst, hast Du keine Chance. Wir kaufen in Deutschland deswegen keine Bilder mehr.
      Andere Länder, andere Gesetze. In Deutschland geht es nun einmal engstirnig und kleinkariert zu. Auch wir konnten ein Bild nicht verkaufen, weil die Künstlerin nicht wollte, dass das Bild öffentlich gemacht wird. Wer meine Bilder kauft, erhält von vorneherein das Recht, diese weiter zu verkaufen oder auch auszustellen. Das Plagiat bleibt ja trotzdem gesetzlich untersagt. Wir kaufen nur noch im Ausland Bilder. Auch da gibt es tolle Künstler.

      Antworten
      • Visual Experts - Interfoto
        8. Juni 2020 13:55

        Hallo Marion,
        das Kaufen oder Verkaufen eines Original Kunstwerks ist immer gestattet.
        Einer Veröffentlichung muss der Urheber allerdings zustimmen – das ist korrekt.
        Übrigens gilt das auch für ausländische Künstler. Es gilt immer das Recht des Landes in dem veröffenlticht wird.

        Antworten
    • Visual Experts - Interfoto
      8. Juni 2020 13:44

      Hallo Anne,
      Das Eigentum ändert sich beim Kauf eines Werks natürlich. Trotzdem hat der Künstler die Urheberrechte an dem Werk nicht verloren und kann nach wie vor über eine Veröffentlichung entscheiden.

      Antworten
  • Was ist, wenn ich Fotografien aus dem Internet quasi als Inspiration nutze. Zb ich male eine Frau mit einem blauen Auge von einer Fotografie ab. Ich nutze aber nur die Umrisse, benutze aber eine abstrahierte Technik und unrealistische Farben, die absolut keine ähnlichkeit zu dem Foto haben. Lediglich das Motiv ist sehr ähnlich. Ist das Erlaubt?

    Antworten
  • Norbert Haftka
    17. Februar 2020 15:45

    Wie sieht es aus mit Figuren die nach einem Kunstwerk hergestellt werden? Dürfen diese abgebildet werden, ohne den Künstler zu fragen? Beispiel: MickyMaus-Figur, Star-Wars-Figur etc.

    Antworten
  • T. MAXEINER
    6. Februar 2020 10:12

    Darf der Name eines Malers auf der Bildvorderseite eines Ölgemäldes verwendet werden wenn dieser schon länger als 70 Jahre tot ist?
    Was bedeutet es wenn auf dem gleichen Bild auf der Rückseite Original und der Name der Vorderseite steht?

    Antworten
  • Wie ist es denn allgemein mit dem Kunstrecht? Kann ich z.B. als Künstler das Gemälde eines anderen Künstlers verändern (70 Jahre nach dessen Tod), wenn es in meinem Besitz, also mein Eigentum ist? Und dürfte ich es dann sogar als “mein eigenes fortgeführtes Kunstwerk” ausstellen, wenn ich angebe wo es herrührt?

    Antworten
  • Marion Niklasson
    23. Januar 2020 13:16

    Da wir Bilder, die wir gekauft haben, nicht einmal ohne Einwilligung des Künstlers ausstellen dürfen und damit ein Verkauf fast unmöglich gemacht wird, haben wir uns entschlossen, keine Kunstwerke mehr zu kaufen.

    Antworten
  • Diana Altenkirch
    14. Dezember 2019 1:54

    Ja, wenn das Museum das Bild sieht und es für notwendig erachtet sie abzumahnen weil es Geld braucht. Nehmen Sie Farbe, malen es nach (Signatur nicht vergessen), fotografieren, einstellen, das alles ist so krank, aber machbar. Demnächst ist es auch verboten Guten Tag oder Mahlzeit zu sagen, da hat bestimmt jemand die Urheberrechte und das seit mehr als 70 Jahren, aber irgendeiner hat das schon mal irgendwo so geschrieben und deshalb gilt auch das gesprochene Wort als geschützt und wenn sich irgendein ururururururenkel findet, der das nachweisen kann, kann er sie verklagen, weil sie Guten Tag sagen ohne Lizenzgebühr zu zahlen. – – Es ist gut und richtig, wenn lebende Menschen und dann noch 50 bzw. 70 Jahre deren Erben Rechte geltend machen können, sofern ein Gut “Schöpfungstiefe” erreicht, aber dass der Besitzer von Gemälden vor 1800 immer noch Rechte hat, erschließt sich nicht.
    Das wird m. E. dann Volksgut, egal wer Besitzer ist. Aber die Gier Einzelner und auch der Museen ist größer und wird gesetzlich geschützt. Und so bleibt Menschen mit geringem Einkommen Einblick in die Kultur des eigenen Lebensraum geschweige denn anderer Länder und Kulturen verwehrt. Ich hatte das Internet als verbindende Medium wahrgenommen, es entwickelt sich immer mehr zum Zankapfel und trennendem Element, immer mehr zur Spaltung, Zersplitterung und Zerstörung verwendet, denn zur geistigen und menschlichen Fort- und Weiterentwicklung, als Instrument der Beleidigung, Bestrafung, Mobbing, Stalking, Niedetracht und Rache. Eine sehr traurige Entwicklung die Menschen Menschen antun.

    Antworten
    • Marion Niklasson
      29. Mai 2020 9:52

      Hallo Diana,
      machen Sie es wie wir. Wir kaufen keine Kunstwerke mehr in Deutschland. Andere Länder, andere Sitten und Gesetze. Deutsche Politiker regieren nicht, sondern die diversen Lobbyisten.
      Kein Wunder also, dass wir in Kleinkariertheit und Engstirnigkeit verkommen. Die Interessenverbände haben eben auch rund um die Kunst das Sagen. Wer meine Bilder kauft, bekommt von Anfang an die schriftliche Mitteilung, dass er die Kunstwerke jederzeit ausstellen und weiter verkaufen kann – ohne wenn und aber. Ich habe selbst erlebt, dass wir das Bild einer Künstlerin nicht verkaufen konnten, weil sie nicht wollte, dass wir es öffentlich ausstellen.

      Antworten
  • Ich habe ein Werk von Toulouse-Lautrec, das im Musée d´Orsay in Paris hängt, als WhatsApp Profilbild eingestellt. Droht mir eine Abmahnung?

    Antworten
  • Ulrike Rastin
    12. Februar 2019 16:15

    Danke für die gut zusammengefassten Informationen. Ich frage mich, ob ich bei bisher über Ihre Agentur bezogenen Bildern, deren Künstler mehr als 70 Jahre tot sind (Paul Klee, Cézanne, Munch …), Hausrechte und Fotografenrechte hätte anfragen müssen.

    Antworten
    • Alice Rauch-Wendlinger
      13. Februar 2019 14:34

      Danke für Ihr Feedback. Bei Bildern, die über die Visual Experts – Interfoto Datenbank gespeichert werden dürfen Sie davon ausgehen, dass die Fotografenrechte und Hausrechte über uns geklärt wurden.

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Menü