Daily Work: So kommt Farbe in schwarz-weisse Bilder

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Interfoto / Florian Rauch
Von vielen berühmten Persönlichkeit kennen wir nur s/w Bilder - doch wie sahen sie live und in Farbe aus?

Es werde bunt! Von traditioneller Handarbeit zu digitaler Retusche

Schwarz-weißen Bildern Farbe zu verleihen, ist keine Idee des digitalen Zeitalters, sondern tatsächlich eine relativ alte Erfindung: Die Ursprünge dieses Verfahrens liegen im Mittelalter, denn schon damals wurden schwarz-weiße Illustrationen aufwändig manuell eingefärbt. Später wurden Holzschnitte, Kupferstiche und andere Vorlagen mit Farben versehen, nach der manuelle Handkolorierung folgten maschinelle Bearbeitungen mittels verschiedener Druckverfahren. 

Die Technik des Kolorierens von Filmmaterial kam direkt nach der Erfindung der Schwarz-Weiß-Fotografie auf. Papierbilder oder Dias wurden ganz oder teilweise mittels farbiger Eiweißlasur koloriert. Die Farbe wurde dabei verdünnt in mehreren Schichten aufgetragen. Die Erfindung des Farbfilms löste diese Kolorierungsmethode einige Jahrzehnte später ab. 

Durch die Einführung der digitalen Bildbearbeitung wurde das Kolorieren von Fotografien und Videos natürlich deutlich vereinfacht: Heute arbeiten wir mit Bildbearbeitungsprogrammen und sogar KI kommt mittlerweile zur Einfärbung zum Einsatz. So können schwarz-weiße Originale eingefärbt werden und der Betrachter hat dadurch die Möglichkeit, plötzlich einen viel realistischeren Eindruck von Szenen zu erhalten, die vor langer Zeit aufgenommen wurden. 

 

Digitale Koloration: So funktioniert’s
Im riesigen Archiv der VISUAL EXPERTS – INTERFOTO schlummern Millionen von Fotografien und Illustrationen aus der Schwarz-Weiß-Ära. Gerade für historische Fachartikel oder Dokumentationen wurden wir daher in der Vergangenheit häufig darum gebeten, zum Farbtopf zu greifen und Bilder digital zu kolorieren. Den Ablauf einer solchen Bearbeitung haben wir einmal festgehalten: 

  • Bildauswahl und Kundenbriefing
  • Qualitätscheck des Originalbildes
  • zeitliche Planung und Aufwandsschätzung 
  • Digitalisierung des Originalbildes.
  • Bearbeitung in Photoshop
  • vollständige Retusche des Scans
  • Recherche: Vor der Kolorierung müssen historisch belegte Farbinformationen für das Motiv geprüft werden. In diesem Fall gab es nur die Information, dass Albert Einstein braune Augen hatte.
  • Referenz-Farbpalette erstellen: Wenn möglich, wird ein ähnliches Farbfoto gefunden, das ähnliche Lichtverhältnisse und passende Farben hat. Aus dieser Vorlage werden dann passenden Farbpaletten erstellt. Im Fall von Albert Einstein waren es nur zwei relevante Farbpaletten für Haut und Haare.
  • Dann werden verschiedene Einstellungsebenen mit Masken in verschiedenen Modi angelegt. Hier werden Verlaufsumsetzungen mit den Farbwerten aus der Farbpalette für Haut und Haare erstellt sowie etliche Einstellungsebenen im Farbton/Sättigungsmodus mit entsprechenden Ebenenmasken.
  • Stück für Stück nähert man sich dann einem möglichst natürlichem Ergebnis.
  • Zeit ist hier der entscheidende Faktor: Je mehr Zeit zur Verfügung steht, desto natürlicher wirkt das Bild. Eine natürliche Hautfarbe zu kolorieren ist eine enorm zeitaufwändige Arbeit, die natürlich im Verhältnis zum Kundenauftrag stehen muss. 

Hier ein kleiner Ausschnitt der angelegten Einstellungsebenen in Photoshop:

Und so sieht Herr Einstein dann plötzlich aus: 

Für alle, die sich das noch genauer ansehen möchten, verweisen wir hier gern auf ein Video-Tutorial von PiXimperfect auf Youtube, hosted von Unmesh Dinda, das die gleiche Art und Weise der Kolorierung zeigt, die auch in unserem Beispiel angewandt wurde.

Wer sich einen Überblick über unser Leistungsangebot im Bereich Prepress machen möchte, findet hier alle Informationen. 

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